So, liewe Leit, jetzt simmer widder dehoim vom Urlaub. ’s war schee un mir hen viel gsehe un erlebt. Mir sin in Idalje gwest midm Martin un der hat uns unner annerem Venedich gezoigt wie de geborene „Cicerone“, was jo a koi Wunner isch, weil der jo schon x-mol dort war un jeden Kanal un jedes Gräwele perseenlich kennt.
Des hat mer so gut gfalle, do musse eich ubedingt e Gedicht drüwwer rei’schdelle. Weil sich bei mir awwer die dichderische „Blütenlese“ erscht so nooch un nooch rauskrischdallisiert, weich’e jetzt oifoch mol uf en Fremdautor aus (’s gebt jo a schließlich noch e paar annere Gude), der wo früher schon sei Ei’drück von Venedich uffs Babier gebrocht hat. Des Gedicht isch zwar scho fascht neinzich Johr alt, awer so viel geännert hat sich oigentlich net. Un verschregget net beim Lese, ’s isch nämlich uf hochdeitsch
Meschuggitis
Ode an Venedig im modernsten Dichterstil
Selbst wenn du total besommert, hochgethermometert bist,
Reise nach der Stadt im Süden, die die viellagunte ist!
Weile an den heil’gen Stätten, den so schön getizianten,
Zeugen der vergang’nen Zeiten, wo die Künstler noch titanten!
Sieh’ dich um auf jenem Platze, marmorfliesenflachgedielt,
der bemarkust an der Seite und davor bekampanilt,
Zum Palast, dem hochgetreppten, lenke deinen Schritt geschwind
Mit den weitgerühmten Mauern, die getintoretto’t sind;
Von dem Platz, dem ringshotelten und im Ost bekathedralten,
Wende dich, tief eingegondelt, zum Revier, dem vielkanalten.
Siehst du dort das Bauwerk schimmern, wo nach Hohenratverdikte
Der Gefangene vor Zeiten zum Verließe seufzerbrückte?
Siehst du dort die Hausfassade, hinter der Othello wohnte,
den die eifersücht’ge Liebe allzu sehr bedesdemonte?
Stark beeindruckt kehrst du wieder mit dem Abendlicht, dem späten,
Zum belichtreflexten Platze, dem so lieblich längscaféten,
Wo am Prokuratienfirste der verwöhnte Vogel nistet,
Wo der Boden, was kein Wunder, abends stark betaubenmistet.
Glaube mir, an keinem Orte hast du solche Impressionen,
Laß dir, Wandrer, deine Seele von Venedigs Reiz umzonen,
Laß dir deine Nervenstränge, die sonst im Berufe frohnden,
Von dem Venezianerhimmel übersonnen, übermonden,
Nimm ihn auf mit trunk’nem Auge, diesen holden Transparent-Ton,
laß dich gänzlich vervenedigern, lasse dich vercinquecento’n!
Alexander Moszkowski (aus: „Fröhlicher Jammer. Zerrbilder und Schelmenstücke. Ein Vortrags-Brevier“, Berlin 1922)
Ich hoff, des Gedicht hat eich g’falle (die annere Sache von dem Moszkowski sin übrichens a net schlecht, falls der do mol dra kommet, ’s isch glawe alles vergriffe un högschdens noch em Antiquariat zu griege).
En scheene Dag wünscht eich
de Roland