Archiv für 1. Januar 2007

Proß Neijohr – e Brezel wie e Scheiredor!

Januar 1, 2007

So hats als in Neered frieher ghoiße. Awer warum „proß“ un net „proscht“?
In dem Buch von Hermann Ehmer, „Geschichte von Neureut“, findt mer e Erklärung dezu. Do hoißts nämlich:

„Ernst Ochs, der verdienstvolle Herausgeber des Badischen Wörterbuchs hat herausgefunden, was in „proß“ steckt. Vom Bodensee bis ins Bauland belegt er das Wort „Broß“, das Knospe bedeutet, manchmal auch „junger Trieb“. Im Taubergrund ist danach die Erdbeere benannt. Sie heißt dort „Brosselter“ oder „Brosselbeer“. Das Knospen, Blühen, Fruchttragen und Entstehen neuer Pflanzen an der Erdbeere ist für den Beobachter jedes Jahr ein Ereignis. So soll das neue Jahr jedem, dem man „Proß Neujahr“ wünscht, Wachsen und Gedeihen bringen, dasselbe was wir meinen, wenn wir Prosit oder Prost Neujahr wünschen.
Es fällt auf, dass keine andere europäische Kultursprache prosit in Verbindung mit Neujahr gebraucht. Auch bei uns ist die Form des Neujahrswunsches verhältnismäßig jung. In der Zeit, wo man das Wort „Bruhrain“ nicht mehr verstand und es sich als „Prorhenus“ (Vorrhein) erklärte, mag in akademischen Kreisen das „vornehmere“ Prosit für älteres „broß“ eingesetzt und nachgeahmt worden sein. Unterstützt wurde der Vorgang dadurch, daß unserer Schriftsprache das Wort brossen „sprießen“ fehlt. Aber in allen süddeutschen Mundarten finden sich seine Spuren. So können die Neureuter getrost weiterhin „Proß Neijohr“ wünschen.“

Also in dem Sinn wünsche mir von de „Alt-Neereder Schul“ allene wo des lese, e glücklichs, gsundes un erfolgreichs neies Johr zwoidausendsiwwe. Lend de Schorz waggle un mached weider.
Adschee!